Meiningen:
Der Kopf scheint zu zerspringen. Eine kaum ertragbare Übelkeit zieht sich durch den gesamten Körper, die Konzentration scheint im Tiefschlaf versunken und überhaupt greifen depressive Fragen nach dem Sinn des Lebens mit aller Kraft nach dem bisschen Lebensmut: Migräne hat sich breitgemacht.
Was tun, wenn selbst hochdosierte Chemie nicht mehr hilft? Dr. Jan Brand, Chefarzt der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein im Taunus, will wertvolle Ratschläge geben in seinem heutigen Vortrag unter dem Titel „Migräne – natürlich vorbeugen“. Er beginnt 19.30 Uhr im Meininger Hotel Sächsischer Hof.
Hilfe zur Selbsthilfe
„Dr. Brand gibt Auskunft über Ursachen, aktuelle Studien, neue Wege in der Migräne-Vorbeugung und moderne Behandlungsmöglichkeiten dieser chronisch-neurologischen Erkrankung“, betont Lucia Gnant, die Beauftragte für Selbsthilfegruppen der Migräne Liga. „Über 80 Betroffene, Patienten und deren Angehörige Gaben bereits ihr Interesse bekundet. Wir hoffen aber auch auf Ärzte und Apotheker.“ Und darauf, dass sich im Anschluss an die kostenlose Veranstaltung wenigstens zehn Migränegebeutelte finden, die eine Selbsthilfegruppe gründen wollen. Lucia Gnant: „Ich kann ihnen dabei mit Rat und Tat beistehen.“
Vor vier, fünf Jahren hatte Lucia Gnant bereits in Suhl die Bildung einer Selbsthilfegruppe vorgeschlagen, allerdings ohne Erfolg. Und dass, obwohl Kopfschmerzen zu den häufigsten Beschwerden in Deutschland zählen. Immerhin sind 66,7 Prozent der Frauen und 53,2 Prozent der Männer mindestens einmal im Jahr von Kopfschmerzen gebeutelt.
Die Migräne Liga als Gesundheitsorganisation betreut deutschland- und europaweit fast 100 Selbsthilfegruppen (näheres ist nachzulesen auch unter www.migraeneliga.de, gibt viermal im Jahr ein Magazin heraus, in dem auch Kontaktadressen zu finden Sind und schult einmal jährlich die Selbsthilfegruppen.
Hilfe zur Selbsthilfe nun soll es auch in Meiningen geben. Lucia Gnant ist selbst seit vielen Jahren Migräneleidende – „und ich leite in Bautzen seit zehn Jahren eine Selbsthilfegruppe, bin auf diesem Gebiet also nicht weltfremd und lasse auch die neuen Gruppen nicht im Regen stehen“. Die engagierte Frau weiß, wo die Gruppen Gelder beantragen können, welche Behördengänge notwendig sind.
Jahre der Resignation
Vor zehn Jahren ist sie auf Dr. Brand und die Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein gestoßen. „Damals war ich schon resigniert, plagte mich mit Migräneanfällen dreimal die Woche herum und wollte schon fast mit meinem Leben abschließen. Durch Dr. Brand habe ich gelernt, dass die Migräne eine chronisch-neurologische Erbkrankheit ist und dass ich mit ihr auskommen muss. Migräne kommt nicht von irgendwas, sie ist mitvererbt, das muss man akzeptieren. Auch ich musste mich auf ein Leben mit Migräne einstellen und darauf, dass ich es zusammen mit der Migräne gestalten muss, ohne mich von der Migräne knechten zu lassen. Heute habe ich nur noch aller sechs bis acht Wochen einen Anfall.“
Die Forschung rund um Migräne hat ziemlich spät begonnen. Erst wenn volkswirtschaftlicher Schaden durch Arbeitsausfälle entsteht, werden in Deutschland Mittel für die Erforschung der entsprechenden Krankheit bereitgestellt Traurig aber wahr: „Migräne-Patienten sind meist Menschen, die alles zu 100 Prozent richtig machen, perfekt sein wollen, die nie Nein sagen können. Wie man dem vorbeugen kann, auch das vermitteln die Selbsthilfegruppen“, so Lucia Gnant. „Denn Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit und die unerträglichen Kopfschmerzen bringen für den Betroffenen viele Einschränkungen in ihrer Lebensqualität, ihren sozialen Aktivitäten, beim Sex und im Familienleben. Wie ihnen geholfen werden kann, das erfahren Interessenten auch durch den Vortrag von Dr. Brand.“ Ebenso die Ergebnisse einer klinischen Studie, die in renommierten Kliniken, der Migräne-Klinik Königstein und dem Schmerzzentrum Kiel, erstellt worden ist Dazu haben Migräne-Betroffene, die, ja stets auf der Suche nach wirksamen Möglichkeiten zur Migräneprophylaxe sind, ihre Erfahrungen mit der Einnahme von neuen Produkten dargelegt.
Lucia Gnant: „Ob Veränderung der Lebensweise, bewusste Ernährung mit Lebensmitteln, die dem Körper bekömmlich sind oder Entspannungsmethoden – es gibt viele Möglichkeiten, der Migräne Paroli zu bieten. Man muss sich Zeit für sich selbst nehmen und damit der Migräne Zeit abknapsen …“
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